"Wenn die Justiz es nicht schafft, eine Form der Erinnerung zu sein, so wird die Erinnerung ihrerseits eine Form der Justiz"
Ana Blandiana
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Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus

Kurze Geschichte des Museums Memorial

Am 21. April 1994 hat die Autorin des Projektes, Ana Blandiana, zusammen mit 175 anderen Persönlichkeiten die Stiftung Bürgerakademie gegründet, deren allgemeines Ziel die Bildung einer Zivilgesellschaft und der sofortigen Aufbau der Gedenkstätte Memorial Sighet war. Das Internationale Zentrum für Studien in Bukarest unter der Leitung von Romulus Rusan hat bereits seit 1993 mit dem Aufbau einer Datenbank für das Museum in Sighet begonnen: Fotos, Dokumente, Gegenstände, Briefe, Zeitungs- und Büchersammlungen, Alben sowie Aufzeichnungen von Lebensgeschichten und - auf einer anderen Ebene - die Organisation von Begegnungen, Seminaren, Symposien, Zusammentreffen der Opfer des Kommunismus mit den rumänischen und ausländischen Historikern, Veröffentlichungen Häftlingsbiographien, Studien, Statistiken und Dokumente über den antikommunistischen Widerstand und seine Niederschlagung. Bis heute hat das Zentrum bereits drei Tausend Stunden Tonbandmaterial gesammelt, 15.000 Seiten Buchveröffentlichungen herausgegeben sowie zehntausende von Dokumente gesammelt.

Das Projekt des Wiederaufbaus des Gebäudes wurde aufgrund einer Ausschreibung an die Firma UMROL aus Klausenburg/Cluj vergeben, die Fertigstellung jedoch führte die Firma Stelid aus Baia Mare aus. Die Arbeiten dauerten bis zum Jahr 2000. Das alte Gebäude war eine Ruine, die feucht und vernachlässigt war; Fundamente, Isolierungen und das Dach mußten neu gemacht werden. Da die Wände im Innern des Hauses seit den 50er Jahren nicht mehr im Originalzustand waren, wurden sie weiß gestrichen. Jede Gefängniszelle wurde zum Museumraum umgewandelt, wo vorerst provisorisch und später dauerhaft die Gegenstände, Fotos, Dokumente einer chronologischen Ordnung folgend ausgestellt wurden.

In einem der Innenhöfe des ehemaligen Gefängnisses wurde nach einem Wettbewerb, an dem 50 Architekten und Künstler teilnahmen, 1997 die Gebets- und Meditationsstätte nach dem Projekt des Temeswarer Architekten Radu Mihai gebaut. Sie verbindet antiken Stil (Anspielung auf den griechischen Tholos und die christliche Katakombe) mit einer modernen Vision. Auf den Wänden, die die Gedenkstätte von außen umgeben, sind in Rauchsteinplatten die Namen von acht Tausend Toten eingraviert: Tote der Gefängnisse, der Lager und der er Deportationszentren Rumäniens. Mit besonderer Sorgfalt wurden im Internationalen Zentrums für Studien über den Kommunismus die Namen all der Toten gesammelt. Die Ziffer ist jedoch weit davon entfernt, die wahren Ausmaße der Unterdrückung zu erfassen. Die Mehrheit der Namen wurde von den beiden Historikern Cicerione Ionitoiu und dem leider bereits verstorbenen Eugen Sahan gesammelt - selbst ehemalige politische Häftlinge. Die Material- und Baukosten für die Gebets- und Gedenkstätte im Innenhof wurden von Misu Carciog aus London übernommen, bis heute der Hauptsponsor der Gedenkstätte.

Im Jahr 2000 wurde dem Altbau des Gefängnisses ein Neubau angefügt mit einem modernen Konferenzsaal, in dem die Symposien, Seminare, Besprechungen und Sommerkurse stattfinden. Der Saal ist mit einer Simultanübersetzungsanlage ausgestattet und kann somit für internationale Konferenzen verliehen werden.

Einige Kunstwerke von besonderem Wert ergänzen das Profil des Memorials und verleihen ihm eine eigene Note unter den historischen Museen des Landes. Die von den Künstlern gestifteten Werke beeindrucken durch die Symbolkraft der dargestellten Opfer, das ihre Werke charakterisiert: ein Wandteppich "Freiheit, wir lieben dich" von Serbana Dragoescu, das Gemälde "Auferstehung" von Cristian Paraschiv, die Bronzeskulptur "Das Schwarze Meer" von Ovidiu Maitec, die dem Historiker Gheorghe I. Bratianu gewidmet ist, und, besonders überwältigend, die beiden großen Skulpturen von Camilian Demetrescu "Hommage an den politischen Häftling" - eine mit dem Untertitel "Auferstehung" - die eine dramatische und feierliche Atmosphäre verbreiten.


Die Skulpturengruppe "Der Opferzug" wird zum Symbol für die Gedenkstätte: Es handelt sich um achtzehn Menschenkörper, die auf eine Wand zugehen, die ihnen die Aussicht versperrt, wie der Kommunismus auch das Leben von Millionen von Menschen eingedämmt hat. 1997 wurde die Skulptur in Holz vorgestellt und ein Jahr später in Bronze gegossen. Heute steht sie im Innenhof des ehemaligen Gefängnisses. Es ist die Hauptattraktion für die fotografierenden Touristen, die das Museum besuchen.

Zu der Gedenkstätte gehört außerdem der Armenfriedhof, etwa 2,5 km vor der Stadt gelegen. Wie aus Geschichten bekannt, wurden hier heimlich während der Nacht die 52 Toten des politischen Gefängnisses vergraben. Die einzelnen Gräber konnten nicht identifiziert werden, da Tausende anderer Toten vor und nach den fünfziger Jahren hier vergraben wurden. Daher wurde 1999 ein Landschaftsprojekt für das Gedenken an die Opfer der Gedenkstätte auf dem Friedhofsgelände gestaltet. Auf der Gesamtfläche des Friedhofs wurden die Umrisse des Landes gestaltet. Entlang des Umrisses wurden Tannen, Kiefer und Dickicht in unterschiedlicher Höhe gepflanzt, so daß die Bepflanzung ein Amphitheater bildet, in dessen Innern die Fläche des Landes als Lichtung ersichtlich ist. Dies suggeriert, daß das Land seine Märtyrer in den Armen hält und sie beweint durch die Vegetation, die sich im Laufe der Zeit ausbreitet. Von einem Aussichtspunkt am Ufer der Theiß (die die Grenze zur Ukraine bildet) werden die Besucher die Symbolkraft verfolgen können, in dem Maße, in dem die Natur entfaltet.


 
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